Seit dem 1. April wird er in jedem Neuwagen installiert: der sogenannte eCall, kurz für Emergency Call. Dahinter steckt kein Aprilscherz, sondern eine Technik, die im Falle eines Autounfalls manuell oder automatisch den Notruf 112 wählt. Dabei wird eine Telefonverbindung zwischen dem Fahrzeug und der Rettungsleitstelle aufgebaut. Meldet sich der Fahrer nicht, kann sofort ein Notarzt losgeschickt werden.

Die Einführung des eCalls ist EU-weit verbindlich. Künftig sollen so bei Unfällen deutlich mehr Menschenleben gerettet werden. „Mit eCall wird sich die Reaktionszeit der Rettungsdienste in ländlichen Gegenden um 50 Prozent und in städtischen Regionen um 40 Prozent verringern. Das führt zu einer Verringerung der Todesopfer und der Rettung von bis zu 1.500 Menschenleben pro Jahr“, zitiert die Automobilwoche die Europaabgeordnete Olga Sehnalova. Auf der Seite der deutschen Bundesregierung, die das Projekt unterstützt, heißt es zu den Vorteilen des eCalls nur knapp: „Weil Rettungseinsätze damit in Zukunft viel wirkungsvoller werden.“

Türöffner für Datenmissbrauch?
Doch beim eCall wird nicht nur ein Notruf abgesetzt: Darüber hinaus werden auch Informationen zum genauen Unfallort, zur Anzahl der Insassen und zum Fahrzeug übertragen. Offiziell dürfen diese Daten nur von den Notdiensten verwendet werden. Kritiker sehen die Gefahr des Missbrauchs: „Unter dem Deckmantel der Lebensrettung droht der eCall zum Türöffner für weitreichende Datennutzungen zu werden“, so Volker Lüdemann vom Niedersächsischen Datenschutzzentrum gegenüber der Osnabrücker Zeitung.

Denn schon jetzt erheben die Autokonzerne gewaltige Datenmengen, die sie aus jedem Fahrzeug abzapfen. Was sie damit machen, kontrolliert niemand. Das Problem bei der eCall-Technik: Es besteht eine dauerhafte Verbindung zum Telefonnetz. „Die Internetanbieter, die Kfz-Hersteller oder auch Anbieter von irgendwelchen Werbemaßnahmen, die können dann diese Schnittstelle verwenden, um Navigationsdienste zu verwenden, um eine Internetverbindung aufzubauen oder um zum Beispiel Werbung anzuzeigen“, kritisiert Datenschützer Thilo Weichert im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Damit würde „das Auto zur Datenschleuder“.

Fluch oder Segen?
Ob sich der eCall als Fluch oder Segen entpuppt, wird sich erst in einigen Jahren zeigen, denn bis die neue Technik statistisch valide Daten liefert, muss zunächst eine Vielzahl an Fahrzeugen damit ausgestattet sein. Doch dann könnten die Daten der Autofahrer schon längst nicht mehr ihnen gehören.