In einigen deutschen Wohnzimmern ist sie bereits zuhause: Alexa, die digitale Assistentin von Amazon. Mit ihrer Hilfe können per Sprachbefehl Produkte bei dem Versandhändler bestellt, das Radio eingeschaltet oder der Fernseher ausgemacht werden. Jetzt suchen auch immer mehr Automobilhersteller die Nähe zu Amazon und wollen Alexa mit ihren Fahrzeugen verknüpfen.

Seit einigen Wochen ist zum Beispiel der eigene digitale Assistent von BMW – BMW Connected – in Alexa integriert. Wer ein Auto der Münchener fährt, das bereits über die neue Technik verfügt, kann nun von der eigenen Wohnung aus mit seinem Fahrzeug kommunizieren. Sind meine Fenster geschlossen? Wie ist meine Reichweite? Ist mein Kofferraum verriegelt? Bei bestimmten BMW-Modellen kann Alexa diese Fragen jetzt beantworten. Zudem lässt sich die Klimaanlage aktivieren oder sogar die Tür verriegeln.

Bedenken der Datenschützer

Seat ist gleich einen Schritt weiter gegangen. Der spanische Autobauer aus dem VW-Konzern will noch bis Ende dieses Jahres Alexa direkt in den neuen Ibiza- und Ateca-Modellen installieren. 2018 sollen weitere folgen. Mit der Integration von Alexa biete Seat den Fahrern modernste Konnektivität, so der Hersteller in einer Pressemeldung. Das Ziel sei, „die Zeit im Auto optimal zu nutzen. Dabei ist es unter anderem möglich, persönliche Termine zu verwalten, Lieder zu suchen, interessante Orte zu lokalisieren, Echtzeit-Nachrichten abzurufen oder den nächsten Händler ausfindig zu machen“.

Für Datenschützer sind solche Entwicklungen ein Horrorszenario. Das Problem: Alexa speichert die Sprachbefehle ihrer Nutzer, aber auch andere Daten wie Passwörter und die IP-Adresse auf den (ausländischen) Amazon-Servern. Die Verbraucherzentrale sieht zudem weitere ungeklärte Fragen: So  sei grundsätzlich auch ein Missbrauch solcher Geräte durch Dritte nicht hundertprozentig ausgeschlossen.

Freier Wettbewerb in Gefahr?

Sprachassistenten wie Amazons Alexa werden immer stärker mit Autos vernetzt.

Sprachassistenten wie Amazons Alexa werden immer stärker mit Autos vernetzt.

Könnte es also passieren, dass künftig Kriminelle digitale Assistenten kapern, um ein Fahrzeug zu entriegeln und damit ohne Einbruchsspuren fortzufahren? Ein denkbares Szenario, das die Gefahren dieser Alltagshelfer verdeutlicht. Aber auch weniger dramatische Entwicklungen sind möglich: Etwa, dass die Hersteller ihre digitalen Assistenten dazu verwenden, um ihre Kunden ausschließlich in Vertragswerkstätten zu lotsen. Der freie Wettbewerb wäre damit in Gefahr.

Momentan sind noch zu viele Fragen offen, ist die Technik noch nicht 100%ig ausgereift, um ein abschließendes Urteil über Alexa & Co. zu fällen. Angesichts der Marktmacht von Amazon und anderer „Digitalriesen“ wie Google scheint die Entwicklung jedoch nicht mehr umkehrbar zu sein. Mit Blick auf das autonome Fahren heißt es vielleicht schon in wenigen Jahren: „Alexa, fahr den Wagen vor.“