Die Deutschen und ihr Auto: Früher Luxus, heute Last?

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„Wir bauen Autos, die keiner braucht, aber die jeder haben will“, soll Ferdinand Porsche, Gründer der berühmten süddeutschen Autoschmiede, einmal gesagt haben. Das Zitat bringt die Beziehung, die wir Deutschen zu unseren vierrädrigen „Gefährten“ pflegen, durchaus auf den Punkt: Sie ist geprägt von Emotionen, Wünschen und Träumen. Autos spiegeln auch ein Stück unserer bundesrepublikanischen Geschichte wider: Bestimmte Modelle haben ganze Generationen geprägt und ihnen sogar einen Namen gegeben („Generation Golf“).

Plakat zur Bonner Ausstellung (© Schleiner+Partner, Freiburg)

So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Museen immer wieder mit dem besonderen Verhältnis von Mensch und Auto in diesem Land beschäftigen. Aktuell widmet sich eine Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn dem Thema. Der plakative Titel: „Geliebt.Gebraucht.Gehasst. Die Deutschen und ihre Autos“. Noch bis Anfang 2018 werden rund 800 Exponate gezeigt, die erklären sollen, welche soziale und kulturelle Bedeutung PKW in Deutschland haben – darunter ausgewählte Fahrzeuge wie der tiefergelegte Rennbolide von Til Schweiger aus dem Film „Manta, Manta“.

Pferde und Kutschen

Dabei ist die Geschichte des Automobils in Deutschland noch eine sehr junge. Wo heute Blechlawinen Autobahnen und Innenstädte dominieren, prägten vor 100 Jahren noch Pferde und Kutschen das Bild. Eine vierrädrige Revolution schien damals noch undenkbar. Auch Kaiser Wilhelm II. war überzeugt: „Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ 1914 kamen auf rund 55.000 Personenkraftwagen vier Millionen Pferde, schreibt Hans-Peter Schwarz in einer die Bonner Ausstellung begleitenden Publikation: „Noch 1957, als der Automobilboom mit der Jahresproduktion von mehr als einer Million Personenkraftwagen voll in Schwung kam, wurden immer noch mehr Motorräder als Autos verkauft.“

Doch spätestens mit Ende der 50er-Jahre ist der Siegeszug von Käfer & Co. in Deutschland nicht mehr aufzuhalten. Das Auto wurde auch dank der steigenden Gehälter vom reinen Wunsch- zum Kaufobjekt. Und es bleibt bis heute „des Deutschen liebstes Kind“, wie die Automobilwoche noch 2014 berichtete. Aktuell sind 45 Millionen PKW zugelassen, 1980 waren es gerade mal halb so viele.

Original-Manta aus dem Film „Manta, Manta“ (1991) mit dem Autogramm von Til Schweiger (© Foto: Jennifer Zumbusch)

Neue Konzepte

Dennoch hat das Auto heute einen anderen Stellenwert als in den Boom-Zeiten von 1960 bis 1990. Es ist zwar für die individuelle Mobilität weiterhin wichtig und für Millionen von Pendlern absolut unverzichtbar. Gleichzeitig sinkt aber die Zahl junger Menschen, die einen Führerschein machen. Zudem erfreuen sich neue Konzepte wie Carsharing gerade in Großstädten steigender Beliebtheit – ein eigenes Auto gilt manchen eher als Last denn als Luxus.

Aber so schnell wird sich Deutschland kaum von seinem wichtigsten Exportprodukt verabschieden. Nach wie vor ist der eigene PKW für viele eine Verheißung von Freiheit, Unabhängigkeit und Freizeitvergnügen. Oder wie es Akio Toyoda, Chef von Toyota, einmal ausgedrückt hat: „Wenn es keinen Spaß macht, ist es kein Auto.“

Info

Die Ausstellung „Geliebt.Gebraucht.Gehasst. Die Deutschen und ihre Autos“ ist noch bis 21. Januar 2018 im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis Fr 9 – 19 Uhr, Sa/So/Feiertage 10 – 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.  

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