Autos werden immer sicherer, effizienter, bequemer. Aber sie werden auch immer aggressiver – zumindest beim Aussehen. Dass Sportwagen und die Modelle der Oberklasse ein sehr sportliches Design haben und auf der Straße möglichst grimmig daherkommen sollen, ist bekannt. Doch seit einigen Jahren nimmt die aggressive Formensprache auch in anderen Fahrzeugklassen zu.

Beispiel Renault Twingo: Der Verkaufsschlager der 1990er-Jahre war noch mit kugelrunden Frontscheinwerfern ausgestattet. Die jüngste Version, die 2014 auf den Markt kam, hat deutlich verengte Lampen, die eher an den „bösen Blick“ erinnern. Oder der Mini Countryman: Hier sieht der Kühlergrill wie heruntergezogene Mundwinkel aus. Sollen diese Fahrzeuge etwa schlechte Laune verbreiten?

Im Prinzip ja. „Manche Autos wirken wie eine geladene Waffe“, zitiert Spiegel Online den Dresdner Verkehrspsychologen Bernhard Schlag. Ihm zufolge sind „Autos ein nonverbales Kommunikationsmittel, mit dem Fahrer anderen Verkehrsteilnehmern drohen“ können. Das sieht Design-Professor Paolo Tumminelli genauso. „Seit der Jahrtausendwende hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden“, sagt er in der Autobild. Er macht Aggressivität vor allem am Design der Autofront aus. Diese löse „Assoziationen mit anderen, allgemein geltenden Zeichen von Boshaftigkeit, Gefahr, Aggression“ aus.

Mehr Miteinander wäre nötig
Tumminelli hat verschiedene Prinzipien definiert, die moderne Fahrzeuge besonders monströs wirken lassen. Diese Merkmale, so der Kölner Uniprofessor in der WDR-5-Radiosendung „Leonardo“, hätten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. So seien etwa die Kühlermasken immer größer geworden.

Das Problem: Auf unseren verstopften Straßen wäre eigentlich weniger als mehr Aggression vonnöten, um das tägliche Miteinander nicht in ein Gegeneinander zu verkehren. Denn laut Verkehrspsychologen kann sich das Autodesign auch auf das eigene Fahrverhalten auswirken – und das anderer. Denn wer mit „bösem Blick“ unterwegs ist, fühlt sich auch schnell als der dominierende Verkehrsteilnehmer. Das aber könnte wiederum andere provozieren. So sind Konflikte vorprogrammiert.