„Händler zittern“, textet das Manager Magazin. Von einer „Dampfwalze“, die auf die „alteingesessenen Händler“ zurolle, spricht der Stern. Was die Zeitschriften so dramatisch beschreiben, ist der mögliche nächste Schritt in Amazons Expansionsbestrebungen: Der US-Handelsriese will den Medien zufolge in den Handel mit Autos einsteigen.

Das Geschäft mit Ersatzteilen hat Amazon bereits aufgebaut. Ob Bremsscheibe oder Querlenker: Auf der Internetplattform gibt es eine große Auswahl an Verschleißteilen für zahlreiche Fahrzeuge und von verschiedensten Marken – auch febi. Folgt nun der Verkauf von kompletten Fahrzeugen? Die Automobilwoche berichtet in ihrer Print-Ausgabe vom 12. November 2018, dass Amazon „den Angriff“ plane. Demnach habe es bereits 2017 erste Pilotprojekte von Renault und Opel gegeben. Über den Erfolg der Tests gibt es jedoch keine öffentlichen Erkenntnisse.

Buchhandel als mahnendes Beispiel
Für den amerikanischen Markt existiert bereits die Plattform amazon.com/vehicles. Wann und ob etwas Ähnliches in Deutschland geplant ist, dazu schweigt Amazon bislang. Dass zahlreiche Händler und auch Autobauer dennoch fast panisch reagieren, zeigt, welche Macht der US-Konzern mittlerweile hat – trotz bereits bestehender Online-Plattformen wie autoscout24.de oder mobile.de. Der Niedergang unzähliger Buchhandlungen ist ihnen eine Mahnung, was passieren kann, wenn Amazon in einen neuen Markt vordringt und dort die vermeintlich geltenden Gesetze auf den Kopf stellt.

Ob sich Amazons Erfolgsgeschichte auf dem Automarkt wiederholt, ist Zukunftsmusik. Dennoch reagieren Konzerne wie VW bereits heute: Indem sie sich und ihren Händlern einen konsequenten Digitalisierungskurs auferlegen. Das Ziel beschreibt das Handelsblatt so: „Sie wollen eine Internet-Plattform in und um Autos kreieren, auf die die Internet-Riesen keinen Zugriff bekommen – ein ‚Closed Shop‘ für die Autowelt.“

Letztlich wird es der Kunde sein, der über das Gelingen oder den Misserfolg von einem künftigen Amazon-Autohandel entscheidet. Ein Buch für zehn Euro ist schließlich schnell bestellt. Bei einem Fahrzeug für mehrere tausend Euro sieht das schon ganz anders aus.