Er hat es wieder getan: Donald Trump, 45. Präsident der USA, hat sich erneut in politisch eher wenig korrekter Manier ausgelassen. Ins Fadenkreuz rückte dieses Mal gleich eine ganze Nation – Deutschland. Das Nachrichtenmagazin Spiegel zitiert Trump mit den Worten „The Germans are bad, very bad“. Das soll er Ende Mai bei einem Treffen mit EU-Vertretern in Brüssel gesagt haben.

Besonders übel stieß dem US-Machthaber der angebliche Erfolg deutscher Automarken in den Vereinigten Staaten auf. „Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen“, zitiert der Spiegel weiter. Die Aussage passt zu den Handelsschranken für Importe in die USA, die Trump bereits zum Amtsantritt ankündigte. Ausländische Unternehmen, die in Amerika Erfolg haben, sind ihm ein Dorn im Auge. Stattdessen soll die heimische Wirtschaft stärker gefördert werden.

Hat Trump Recht?

Ob diese nationale Sichtweise auf die global vernetzte Wirtschaft sinnvoll ist, bezweifeln viele Experten. Abseits davon steht jedoch die Frage im Raum, ob Trump mit seiner in Brüssel getätigten Aussage überhaupt Recht hat. Die eindeutige Antwort: nein. Denn VW, BMW & Co. sind lange nicht so erfolgreich wie Trump behauptet. Wie etwa die Zeit vorrechnet, hatten 2016 alle deutschen Autobauer zusammen einen US-Marktanteil von gerade mal etwas mehr als sieben Prozent. Platzhirsche waren hingegen die amerikanischen Marken Ford und GM.

Nur im Oberklassesegment sind die „Germans“ tatsächlich führend. Im Premium-Bereich dominieren die deutschen Marken mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent. Dass Trump ihnen daraus einen Strick dreht, kann Journalist Sebastian Schaal nicht nachvollziehen: „Niemand hat den US-Kunden gezwungen, ein deutsches Auto zu kaufen. Aber ganz offensichtlich findet er diesen Wagen so viel besser als die Angebote amerikanischer, japanischer oder koreanischer Hersteller“, schreibt er in einem Kommentar in der Wirtschaftswoche.

Die Statistik sagt etwas anderes

Letztlich bleibt abzuwarten, ob Trump seinen Worten („Wir werden das stoppen“) auch Taten folgen lässt. Konkrete Aktionen, zum Beispiel die Erhebung von Strafzöllen auf Produkte nicht-amerikanischer Hersteller, sind bislang nur eine Drohung.

Vielleicht sollte sich der US-Präsident stattdessen Gedanken darüber machen, wie „schlecht“ die deutschen Automarken wirklich sind. Ein Blick auf die US-Wertschöpfungs-Statistik würde da helfen: Alle Autobauer in den Vereinigten Staaten müssen angeben, wie viel Prozent an Wertschöpfung ihrer Fahrzeuge auf die USA entfallen. Unter den Top 3 ist neben einem japanischen (Platz 1) und einem amerikanischen Hersteller (Platz 2) auch ein deutsches Unternehmen – vor Ford, vor GM. Sie lassen also mehr im Ausland produzieren als Mercedes mit seiner C-Klasse. Bad Americans.