Sehen wir ein Test-Siegel oder einen „Red Dot Award“, sprechen wir dem beworbenen Produkt automatisch eine gewisse Wertigkeit zu.

Im Bereich Personalmanagement funktioniert das Prinzip genauso wie bei Konsumgütern. Denn auch Arbeitgeber sehen sich einem wachsenden Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter ausgesetzt. Vorteile bei der Rekrutierung von Fachkräften erhoffen sich Unternehmen durch verschiedentlich ausgelobte Arbeitgeber-Auszeichnungen.

Doch nicht erst die Enthüllungen über die Vergabepraxis des ADAC bei der Auszeichnung „Gelber Engel“ machen deutlich, dass man sich auf Awards, Siegel oder auch Produkttests nicht uneingeschränkt verlassen sollte.

Betritt man den Empfangsbereich der Firmenzentrale der Ferdinand Bilstein GmbH + Co. KG in Ennepetal, fällt schnell die Glasplatte mit dem aufgedruckten Siegel „Top Arbeitgeber Automotive“ ins Auge. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Auszeichnung?

Nach der Anmeldung durch das zu zertifizierende Unternehmen selbst wird zunächst eine Erhebung und Überprüfung wichtiger Unternehmensparameter durchgeführt, beispielsweise die strategische Mitarbeiterführung, angebotene Mitarbeiterkonditionen oder die Entwicklungsmöglichkeiten der Arbeitnehmer.

Im Anschluss erfolgt ein Audit durch die externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton, um alle erhobenen Daten zu verifizieren und auf eventuelle Fehler oder Unklarheiten hin zu überprüfen.

Eine Auswertung der Ergebnisse und schlussendlich die eigentliche Zertifizierung durch das Top Empolyers Institute schließen den Prozess ab. Doch wie sieht dieser in der Praxis genau aus? Um das herauszufinden, sprachen wir mit Christina Baasner, die als Personalreferentin eng mit dem Institut zusammenarbeitet.

 

Hallo Frau Baasner. Mittlerweile ist die Ferdinand Bilstein GmbH + Co. KG zum siebten Mal in Folge als „Top Arbeitgeber Automotive“ zertifiziert. Ist da die neuerliche Zertifizierung schon „Business as usual“ oder werden seitens des Zertifizierers auch neue Anforderungen gestellt?

CB: „Business as usual“ ist es für uns in keinen Fall. Wir freuen uns jedes Jahr und sind stolz, wenn der Zertifizierungsprozess erfolgreich verlaufen ist und wir den Top Arbeitgeber Award und das aktuellste Gütesiegel bekommen.

Die Anforderungen an den Zertifizierungsprozess verändern sich jedes Jahr. Insgesamt wächst auch der Anspruch an die Erfüllung dieser Anforderungen. So müssen wir uns als Arbeitgeber und unsere Personalarbeit immer wieder neu auf den Prüfstand stellen.

Denn auch andere teilnehmende Arbeitgeber entwickeln sich weiter. Aber dieser Vergleich zum Wettbewerb ist uns wichtig, um frühzeitig eigene Ansätze für die Weiterentwicklung zu erkennen und nachhaltig zu verfolgen.

Wie hoch würden Sie den zeitlichen Aufwand abschätzen, den die jährliche Zertifizierung mit sich bringt?

CB: Wir beschäftigen uns eigentlich kontinuierlich mit der Arbeitgeberzertifizierung. Denn nach der letzten Zertifizierung beginnt für uns schon die Vorbereitung für die nächste. Hier arbeiten wir konkret mit den Ergebnissen des Benchmarks und den Handlungsempfehlungen, die für uns im Rahmen der weiteren Professionalisierung unserer Personalarbeit wichtig sind.

Hinzu kommen immer wieder Abstimmungsgespräche mit unserem Ansprechpartner des Top Employer Institutes. Im Anschluss an die erfolgreiche Zertifizierung beginnt die interne und externe Bekanntmachung, dass wir wieder zum Top Arbeitgeber Automotive zertifiziert wurden.

Wie ist das Feedback von Bewerbern? Kommen im Bewerbungsgespräch auch Nachfragen zur „Top Arbeitgeber“ Zertifizierung?

CB: Ja. Wir werden vielfach in Gesprächen mit Menschen, die sich für uns als Arbeitgeber interessieren, auf diese Auszeichnung angesprochen. Menschen, die nicht nur einen „Job“ suchen, sondern sich in Ihrem Beruf engagieren und weiterentwickeln wollen, schauen heute sehr genau auf die „Persönlichkeit“ des Arbeitgebers. Was zeichnet ihn aus? Wofür steht er?

Das finden wir gut, denn auch wir haben einen besonderen Blick in diesen Gesprächen auf die persönlichen Fähigkeiten und Motive des Bewerbers. Dieser Fokus ermöglicht es uns, Mitarbeiter mit einer hohen Identifikation und Bindung für uns zu gewinnen.

Im Internet findet sich auch Kritik an der „Top Arbeitgeber“-Zertifizierung. Immerhin kann man sich ja nur zertifizieren lassen, wenn dann dafür auch bezahlt. Wie begegnen Sie solcher Kritik aus Sicht des Arbeitgebers?

CB: Ja, es ist richtig, dass die Teilnahme nicht kostenfrei ist. Aber wenn Sie Ihr Auto zur Hauptuntersuchung bringen, um die Freigabe für die nächsten zwei Jahre zu erhalten, müssen Sie das ja auch bezahlen.

Wir zahlen hier nicht für die Auszeichnung, sondern für die Beratungsleistung vor, während und nach dem Zertifizierungsprozess. Das Institut analysiert den Stand unserer Personalarbeit und die Positionierung als Arbeitgeber am Markt, vergleicht diese mit anderen Arbeitgebern, erarbeitet Handlungsempfehlungen und berät auch bei der Umsetzung.

Was sind für Sie die konkretesten Beispiele, an denen sich festmachen lässt, dass die Ferdinand Bilstein GmbH + Co. KG ein „Top-Arbeitgeber“ ist?

CB: Zunächst einmal bestätigt die geringe Fluktuationsquote von 1%, dass wir als Arbeitgeber für viele unserer Mitarbeiter nicht nur kurz-, sondern auch langfristig die erste Wahl sind.

Wir freuen uns aber auch darüber, dass die neuen Mitarbeiter uns immer als Erstes Rückmeldung geben, wie willkommen Sie sich bei uns fühlen, wie kollegial die Arbeitsatmosphäre und wie hoch der Grad der Unterstützung auch schon während der Einarbeitungsphase ist.

Natürlich ist das nicht nur ein Ergebnis des Personalbereiches sondern das positive Zusammenwirken aller Führungskräfte und Mitarbeiter.

Die Ferdinand Bilstein GmbH + Co. KG ist sich der Wichtigkeit der Mitarbeiter als „Zentrum der Wertschöpfung des Unternehmens“ sehr bewusst und hat bereits viele Maßnahmen zum Wohle der Mitarbeiter umgesetzt.