In Politik und Gesellschaft wird seit Jahren bisweilen heftig über die Einführung eines generellen Tempolimits in Deutschland diskutiert. Die Grünen sind dafür, die Unionsparteien dagegen und die Sozialdemokraten in dieser Frage gespalten. In der öffentlichen Debatte geht es allerdings längst nicht mehr nur um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen, sondern vermehrt auch um ein verschärftes Tempolimit in Innenstädten.

Eine repräsentative Studie, die im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) bei 2.000 befragten Personen durchgeführt wurde, kommt nun zu dem Schluss, dass Tempo 50 von einer Mehrheit der Verkehrsteilnehmer (51 Prozent) als „oft viel zu schnell“ angesehen wird. Laut DVR sind Radfahrer und Fußgänger, darunter vor allem Kinder und ältere Menschen, durch zu hohe Geschwindigkeiten in Städten besonders gefährdet. Als Lösung wird ein Modellversuch angeregt, bei dem die Effekte einer solchen Maßnahme untersucht werden sollen.

In fast allen Ländern gibt es ein generelles Tempolimit im Straßenverkehr. Deutschland ist – neben Staaten wie Afghanistan, Nordkorea oder Somalia – eine Ausnahme. Größter Fürsprecher der Begrenzungsgegner ist der ADAC, der das „Freie Fahrt für freie Bürger“-Denken ab den mittleren 1970ern maßgeblich prägte. Doch was soll ein Tempolimit auf Autobahnen eigentlich bringen? Nachfolgend sind die meistdiskutierten Argumente aufgeführt.

Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen…

…verringert die Zahl der Verkehrstoten.

Die Zahl der Verkehrstoten ist seit Jahrzehnten rückläufig. Starben 1991 noch 11.300 Menschen auf deutschen Straßen, waren es 2013 insgesamt 3.339 Verkehrstote. Gemeinhin gilt die Autobahn als die sicherste Straßenart in Deutschland. Die meisten tödlichen Unfälle ereignen sich auf Landstraßen. Die Autobahn folgt hinter innerörtlichen Straßen erst auf Platz drei. Der Effekt eines bundesweiten Tempolimits dürfte insgesamt gering ausfallen. Verkehrsexperten raten daher zu einer stärkeren Geschwindigkeitsregulierung von Streckenabschnitten mit erhöhtem Unfallrisiko.

…hilft den CO2-Ausstoß zu verringern.

Laut Umweltverbänden wie BUND oder VCD auf jeden Fall. Der BUND spricht als Sofortwirkung von jährlich über drei Millionen Tonnen eingespartem CO2. Der ADAC hält dagegen, dass der Anteil des PKW-Verkehrs an den Gesamtemissionen nicht groß genug sei, um einen wirklichen Effekt zu erzielen. Konsequenz eines generellen Tempolimits könnte nach Aussage verschiedener Verkehrsexperten jedoch ein steigender Absatz von spritsparenden Fahrzeugen sein, wodurch sich die Umweltbelastung nachhaltig verringern ließe.

…beugt Verkehrsstaus vor.

Tempolimits sorgen für eine generelle Angleichung der Geschwindigkeit verschiedener Verkehrsteilnehmer. Einige Wissenschaftler sehen darin eine Erschwerung aggressiven Fahrverhaltens, etwa bei riskanten Überholmanövern. Durch die verminderten Geschwindigkeitsunterschiede sollen Spurwechsel leichter vollzogen werden können, was sich positiv auf die Verkehrsdichte auswirkt und einer Staugefahr vorbeugt. Andere Experten bestreiten diesen Effekt und argumentieren, dass eine Verringerung der Geschwindigkeit zu Unaufmerksamkeit führen könnte. Daraus würden abrupte Bremsmanöver entstehen, die Staus eher fördern als verhindern.

Nicht allein vor dem Hintergrund der DVR-Studie scheint eine Ausweitung der Diskussion auf den innerstädtischen Verkehrsbereich unumgänglich. Viele Autofahrer lehnen ein Tempolimit kategorisch ab. Dabei gibt es bereits heute viele Streckenabschnitte, die durch Geschwindigkeitsbegrenzungen reglementiert sind. Zudem gilt in Deutschland eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h auf Autobahnen. Die Überschreitung dieses Wertes auf Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung kann bei einem Unfall zu einer Mithaftung aufgrund der erhöhten Betriebsgefahr führen. Doch wie man es auch dreht und wendet, ein gesellschaftlicher und politischer Konsens wird sich in absehbarer Zukunft wohl kaum abzeichnen.