Automatisiertes Fahren, autonomes Fahren oder gar Roboterautos – kaum ein Thema elektrisiert die Automobilwelt aktuell so sehr wie das selbstfahrende Auto. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass der Hype vor allem die Automobilhersteller begeistert. Sicher, die Zukunftsvision vom automatisierten Verkehr fasziniert. Doch wollen wir zukünftig wirklich nur noch Passagier in unserem eigenen Auto sein? Und wie realistisch sind selbstfahrende Autos wirklich?

Für den normalen Autofahrer jedenfalls erscheinen andere Themen wichtiger. Laut einer aktuellen Studie halten lediglich 8 % der Deutschen das Forschungsfeld der selbstfahrenden Autos für besonders wichtig. Viel wichtiger sind für die deutschen Autofahrer demnach die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien (29 %) oder Technologien zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs (26 %). Wie eine andere Studie herausfand, würden lediglich 5 % der Autofahrer in Deutschland ein vollständig autonom fahrendes Auto bevorzugen.

Genauer betrachtet befinden wir uns schon jetzt mitten im Transformationsprozess. Vor allem in der Oberklasse, in der Kompaktwagenklasse der Premiumhersteller und teilweise bereits in Segmenten darunter haben Technologien Einzug gehalten, die kombiniert teilautomatisiertes Fahren ermöglichen. Im Grunde können Autofahrer etwa schon jetzt Autobahnkilometer abspulen, ohne einen Finger rühren zu müssen: Spurhalteassistent aktivieren, automatische Abstandsregelung auf „On“ und den Tempomat auf die gewünschte Geschwindigkeit einstellen, fertig.

Die Industrie erwartet dementsprechend, dass sich autonomes Fahren auch weiterhin Schritt für Schritt entwickeln wird und Teilfunktionen nach und nach in Serie gehen werden. Auch wenn in Kürze erste Prototypen auf Autobahnteilstrecken automatisiert unterwegs sein werden: es wird sicherlich noch mindestens fünf Jahre, eher deutlich länger dauern, bis selbstfahrende Autos auf dem Markt frei verkäuflich sein werden.

Denn während die Technik erhebliche Fortschritte macht und weniger komplexe Situationen, etwa Autobahnfahrten oder Parkvorgänge, technisch schon jetzt ohne weiteres möglich sind, die Rahmenbedingungen sind noch nicht so weit. Selbstfahrende Autos sind in der aktuellen Rechtsprechung noch nicht vorgesehen – und aktuell gibt es kaum Anzeichen, dass sich dies mittelfristig ändern wird. Zudem stehen auch die Versicherungen dem Thema noch skeptisch gegenüber.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV): „Ich rechne nicht damit, dass in absehbarer Zeit Autos selbstständig durch den Stadtverkehr fahren können. Denn im komplexen Stadtverkehrsgeschehen müssten ja alle Fahrzeuge miteinander und mit der Infrastruktur kommunizieren können. Wie und wann die Probleme gelöst werden können, ist derzeit noch nicht absehbar.“