Am Ostermontag wird so mancher Autofahrer beim Blick aus dem Fenster nicht schlecht gestaunt haben: In einigen Teilen Deutschlands – besonders in den Hochlagen – war der Winter zurückgekehrt. Nur hatten nach den ersten frühlingshaften Wochen bereits viele auf Sommerreifen umgestellt und da Ostern in diesem Jahr so spät war, schien die Faustformel für Winterreifen „Oktober bis Ostern“ (O bis O) nicht ganz zutreffend.

Dabei vergessen Autofahrer oft, dass auch diese Regel nur eine grobe Richtschnur ist – ohne gesetzliche Grundlage. Grundsätzlich gilt, dass die Bereifung an die äußeren Gegebenheiten angepasst werden muss. In der Straßenverkehrsordnung ist festgehalten, dass Fahrzeuge bei „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte“ nur mit ausgewiesenen Winter- oder Ganzjahresreifen fahren dürfen. Das gilt unabhängig von der Jahreszeit. Wer also rund um Ostern mit Sommerreifen unterwegs war und den Verkehr behinderte (was an einigen Orten geschah), muss mit Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Auch in puncto Versicherung kann eine falsche Bereifung Konsequenzen haben, wie der ADAC schreibt.

Vorteil Ganzjahresreifen?

Klar im Vorteil sind da Autofahrer mit Ganzjahresreifen. Die Allwetterpneus werden aus vielen Gründen immer beliebter. Nicht nur, dass der halbjährliche Reifenwechsel entfällt. Mit Blick auf das Thema Reifendruckkontrollsysteme (RDKS) ist der Verzicht auf einen zweiten Reifensatz auch eine entscheidende Kostenfrage. Denn wer ein neueres Auto fährt, muss sich die deutlich teureren Reifen mit RDKS zulegen – so ist es gesetzlich vorgeschrieben.

Dennoch sind Ganzjahresreifen aktuell ihren Sommer- und Winterkonkurrenten unterlegen. Das belegt zumindest der jüngste ADAC-Vergleichstest. Das Ergebnis der Prüfer: „Bei Schnee besser zum Spezialisten, also zum ‚echten‘ Winterreifen greifen. Analog gilt das in der warmen Jahreszeit auf trockener Fahrbahn – hier ist ein Sommerreifen die bessere Wahl.“

Und dennoch steigt das Interesse an Ganzjahresreifen von Jahr zu Jahr. Angesichts immer milder ausfallender Winter sind sie eine echte Alternative für Autofahrer, die in Ballungsgebieten wohnen, oder für die Ausstattung eines Zweitwagens, der im Notfall auch in der Garage bleiben kann. Dann spielt es auch keine große Rolle, ob es an Ostern schneit oder nicht.