An der Ampel den Motor abstellen. Auf der Autobahn nicht schneller als 130 km/h fahren. Auf Kurzstrecken besser gleich den Bus nehmen. Mit diesen und weiteren Maßnahmen versuchen Autofahrer seit Jahren den Verbrauch ihres Fahrzeugs zu senken. Dennoch bleiben die meisten Fahrzeuge von den Werten, den die Hersteller ihren Kunden versprechen, um Lichtjahre entfernt.

Das hat jetzt das International Council on Clean Transportation (ICCT) noch mal bestätigt. In ihrer jüngst veröffentlichten Untersuchung hatte die Umweltorganisation, die auch an der Enthüllung des VW-Dieselskandals beteiligt war, herausgefunden, dass Autos durchschnittlich rund 42 Prozent mehr Benzin schlucken als offiziell angegeben.

„Wir haben Daten von mehr als 1,1 Millionen Fahrzeugen aus acht europäischen Ländern analysiert und alle Quellen belegen, dass der Spalt zwischen den Werten aus den Verkaufsbroschüren und in der Realität ein neues Allzeithoch erreicht hat“, sagt Uwe Tietge vom ICCT. „Als wir unsere erste Studie 2013 veröffentlichten, hatte sich die Kluft in rund zehn Jahren um 25 Prozent vergrößert. Nun hat sie sich bei Privatfahrzeugen um 39 Prozent und bei Firmenfahrzeugen um 45 Prozent erhöht.“

Die Testverfahren für die Verbrauchswerte bei Fahrzeugen wurden überarbeitet.

Neues Verfahren ab 2018
Verantwortlich für die klaffende Lücke zwischen den Angaben der Hersteller und der Wirklichkeit ist das Testverfahren des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Auf dessen Grundlage ermittelt die Automobilindustrie ihre Kraftstoffverbrauchswerte. Doch der NEFZ wird bald der Vergangenheit angehören: Ab dem 1. September 2018 müssen alle neu zugelassenen Fahrzeuge nach dem WLTP geprüft werden. Die Abkürzung steht für Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure, zu Deutsch „weltweit einheitliches Leichtfahrzeuge-Testverfahren“.

Von dem neuen Verfahren erhoffen sich Kritiker endlich realistische Angaben zum Kraftstoffverbrauch. Die Analysten des ICCT gehen davon aus, dass sich die momentan herrschende Lücke bei den Werten in etwa halbieren wird. Denn auch der neue Testzyklus ist nicht ohne Schwächen: So wird die Kluft voraussichtlich zwar kleiner, aber Autofahrer sollten auch in Zukunft an der Tankstelle einen kritischen Blick auf die Verbrauchswerte ihres Fahrzeugs werfen – und die bekannten Spritspartipps weiterhin beherzigen.