Der ICCT (International Council on Clean Transportation) war maßgeblich daran beteiligt, dass der Skandal um systematisch manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Modellen des Volkswagen-Konzerns publik wurde. Anfang Januar legte die gemeinnützige Organisation nach. Diesmal traf es keinen speziellen Autobauer, sondern gleich die ganze Diesel-Technologie. Laut einer ICCT-Studie stoßen selbst viele Fahrzeuge der als sauber geltenden Schadstoffklasse Euro 6 mehr schädliche Stickoxide (NOx) aus als moderne Lastwagen oder Busse.    

Ausgewertet wurden Daten aus Finnland und Deutschland, die den realen Schadstoffausstoß von Euro-6-Diesel-PKW im regulären Fahrbetrieb abbilden. Die Fahrzeughersteller verlassen sich bei ihren Angaben von Verbrauchs- und Emissionswerten meist auf umstrittene, unter Laborbedingungen entstehende Messungen auf Basis des NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Wie groß die Unterschiede zwischen Rollenprüfstand und Straßenverkehr tatsächlich sind, zeigen auch die jüngst veröffentlichten Zahlen: Im Durchschnitt stoßen die getesteten Euro-6-Diesel 500 Milligramm NOx pro Kilometer aus. Bei den Lastern waren es lediglich 210 Milligramm je gefahrenem Kilometer. 

Den derzeit sinkenden Status der Diesel-Technologie dürften diese neuen Entwicklungen kaum verbessern. Seit der Abgasskandal verschiedene Autobauer unter Druck gesetzt hat, sind die Absätze von Diesel-PKW in vielen europäischen Ländern rückläufig. Insbesondere die schlechte Umweltbilanz dürfte viele Käufer abschrecken. Länder und Kommunen in Deutschland sind angehalten, Maßnahmen zu ergreifen, um die in zahlreichen Ballungsgebieten auftretenden Überschreitungen der vorgeschriebenen Schadstoffgrenzwerte in der Atemluft zu minimieren. Viele Diesel-Halter fürchten daher, zukünftige Maßnahmen könnten vor allem sie benachteiligen. 

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bewertet die aktuelle Entwicklung weniger dramatisch. Die Zahlen im jüngsten Jahresbericht bescheinigen dem deutschen Markt so viele verkaufte PKW wie seit 2010 nicht mehr. Laut VDA konnten 2016 rund 3,4 Millionen Neuzulassungen verzeichnet werden – ein Plus von fünf Prozent. Betrachtet man die Diesel-Modelle aber auch hier gesondert, bestätigt sich der rückläufige Trend: Der Marktanteil sank im November 2016 auf 45 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch fast 50 Prozent. Spurlos ist der Abgasskandal also auch im Hinblick auf das Heimatgeschäft nicht an den deutschen Autobauern vorübergegangen. Doch selbst wenn das schwindende Kundenvertrauen die Diesel-Absätze auch weiterhin senkt, ein Auslaufmodell ist die Technologie wohl bereits aufgrund überschaubarer Alternativen auf absehbare Zeit nicht.