Der Plan ist nicht neu: Um die Umweltvorgaben der Europäischen Union (EU) zu erfüllen, sollen „saubere“ Technologien per staatlicher Bezuschussung attraktiver gemacht werden. Das ist bei Partikelfiltern für ältere Diesel der Fall und sollte auch die E-Auto-Quote in Deutschland maßgeblich erhöhen. Nur die Verbraucher ziehen nicht mit.

Das Interesse an der Filternachrüstung hat 2016 stark nachgelassen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) musste unlängst einräumen, dass die ambitionierte Zielsetzung von einer Million zugelassener Elektrofahrzeuge bis 2020 nicht zu schaffen sei. Aktuell sind lediglich 35.000 Pkw mit Elektroantrieb auf Deutschlands Straßen unterwegs. 

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lässt sich von solchen Tendenzen nicht beirren. Wie der Spiegel berichtet, fordert er die Einführung einer Kaufprämie für Euro-6-Diesel. Damit soll die Industrie angekurbelt und Einfuhrverboten in Innenstädten vorgebeugt werden. Die Sache hat nur einen Haken: Selbst Diesel-Pkw, die der Schadstoffnorm Euro 6 entsprechen, stehen in den Nachwehen des Skandals um manipulierte Abgaswerte in der Kritik.

Wie das Bundesumweltamt in einem kürzlich veröffentlichten Bericht mitteilte, überschreiten selbst viele Modelle der neuesten Diesel-Generation die EU-Grenzwerte für Stickoxide um ein Vielfaches. So hat der Vorstoß aus München ein gewisses Geschmäckle. Denn die konsequente Stärkung der deutschen Autobauer durch die Politik gibt seit langem Anlass für Kritik.

Durch den gegenüber Benzinern geringeren CO2-Ausstoß sind die heimischen Fahrzeughersteller jedoch auf Dieselmodelle angewiesen, um die ab 2020 geltenden durchschnittlichen EU-Schadstoffobergrenzen von 95 g CO2 pro Kilometer einhalten zu können. Ein Umdenken dürfte, wenn überhaupt, allein durch sinkende Diesel-Absätze infolge von verlorenem Käufervertrauen erfolgen.