Ab dem 1. Januar 2018 gilt für die Hauptuntersuchung (HU) eine wesentliche Erweiterung: die für alle Kraftfahrzeuge verpflichtende Abgasmessung am Endrohr. Die musste im Rahmen der alle zwei Jahre anfallenden Abnahme bislang nur an Vehikeln vorgenommen werden, die vor dem 1. Januar 2006 erstmals zugelassen wurden. Beim Rest genügte die elektronische Abgasprüfung über die Auslesung des Fehlerspeichers via On-Board-Diagnose (OBD).

Der Beschluss, auf den Prüforganisationen wie TÜV, Dekra, GTÜ oder KÜS seit Jahren drängen, wurde mit Zustimmung des Bundesrates kurz vor der Bundestagswahl im September 2017 gefasst. Der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) lobte die verschärfende Messung als wichtigen Baustein zur Erkennung defekter oder bewusst manipulierter Abgassysteme. Die Realität sieht jedoch ein wenig anders aus.

Widersprüchliche Argumentation des VdTÜV

Die Begründung, warum die Einhaltung der Schadstoffgrenzwerte bei jedem Kraftfahrzeug, egal ob Diesel oder Benziner, ab Januar direkt am Auspuff gemessen wird, liefert der VdTÜV. Auf der Webseite des Dachverbandes der neutralen technischen Dienstleister heißt es: „Es bestehen begründete Zweifel, ob das OBD-System alleine geeignet ist, alle Mängel an emissionsmindernden Einrichtungen im Fahrzeug zu erkennen, und damit den gesetzlichen Umwelt- und Gesundheitsschutzauftrag zu erfüllen.“

Was zunächst klingt wie ein überfällige Maßnahme zur Luftreinhaltung, wird im Verlauf der Ausführungen des VdTÜV jedoch weitgehend relativiert: „Da derzeit weder im Rahmen der Abgasprüfung zur Typgenehmigung noch bei der periodischen Abgasuntersuchung eine vertiefende Überprüfung der Fahrzeugsoftware gesetzlich vorgeschrieben ist, können sog. Abschalteinrichtungen auch nur schwer oder gar nicht erkannt werden. Außerdem wurden diese gerade so manipuliert und programmiert, dass sie bei den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfprozeduren eben nicht die Abgasreinigungssysteme abschalten.“

Bessere Erkennung von Mängeln = häufigerer Filtertausch

Als Vorteil der Endrohrmessung bleibt die exaktere Erkennung defekter Systeme bestehen – und solcher, bei denen etwa der Dieselpartikelfilter (DPF) ausgebaut wurde. Deren Zahl beläuft sich laut Schätzungen auf 5 bis 10 Prozent. Eine Erhebung der Niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung, kurz TNO, kam zu dem Ergebnis, dass 5,6 Prozent der untersuchten Dieselfahrzeuge einen defekten oder ausgebauten DPF aufwiesen. Ein umfänglicher Beitrag zur Schadstoffminderung ist auf Basis dieser Zahlen kaum abzusehen. 

Dafür könnte manchen Autohalter eine böse Überraschung erwarten. Denn durch die steigende Genauigkeit der Abgasuntersuchung wächst auch die Wahrscheinlichkeit zu behebender Mängel. Das kann teuer werden. Muss etwa der DPF getauscht werden, um den Erhalt der HU-Plakette zu gewährleisten, entstehen Kosten zwischen 1.300 und 1.500 Euro. Hinzu kommen die Gebühren der erneuten Prüfung. Die Endrohrmessung selbst hat darauf übrigens keinen nennenswerten Einfluss. Der VdTÜV beziffert die Mehrkosten auf 3 bis 4 Euro pro Fahrzeug.