Die Elektromobilität will in Deutschland nach wie vor einfach keine Fahrt aufnehmen. Während Industrie und Politik bis zuletzt immer wieder den Durchbruch des Elektroautos ankündigten, sieht die Realität auf deutschen Straßen weiterhin eher mau aus. Glaubt man mehr oder weniger aktuellen Zahlen, sind in Deutschland aktuell nicht einmal 20.000 E-Autos zugelassen. Im Vergleich dazu brummt der E-Auto-Markt in Norwegen und bei unseren niederländischen Nachbarn. Laut der Unternehmensberatung McKinsey wurden in den Niederlanden allein im vierten Quartal 2013 rund 17.000 Elektroautos neu zugelassen.

Aber warum entwickelt sich die Elektromobilität hierzulande nur so schleppend? Schließlich laufen mit dem BMW i3, dem VW E-Golf und der elektrischen Mercedes B-Klasse immerhin einige deutsche Elektroautos vom Band. Die Gründe für die lahmende Entwicklung dürften vielschichtig sein.

Da ist zum einen die nach wie vor nur bedingt ausgeprägte Ladesäuleninfrastruktur. Maximal eine Handvoll Ladestationen in deutschen Innenstädten erscheint für viele Pendler (die potenziellen Elektroauto-Käufer schlechthin) vermutlich einfach wenig vertrauenerweckend. Elektroautos wie der Nissan Leaf benötigen für den „Schnellladevorgang“ bis Erreichen von 80 % ihrer gesamten Akkukapazität lange 30 Minuten. Für Autofahrer, die ihr Auto bequem in der heimischen Garage laden können, sicherlich kein Problem, für Elektroauto-Besitzer, die auf die öffentliche Infrastruktur angewiesen sind, schon eher.

Erschreckender dürfte da nur der Preis sein, vor allem in Relation zur maximalen Reichweite. Der aktuelle VW Golf startet bei 17.325 Euro. Der brandneue E-Golf mit einer maximalen Reichweite von immerhin 190 Kilometern ist erst ab 34.900 Euro zu haben. Selbst der 162 kW starke Golf GTI ist mit einem Startpreis von 28.675 Euro noch deutlich günstiger. Da helfen dann weder die geringeren, laufenden Kosten, noch der muntere Elektroauto-Kostenrechner von VW weiter, wenn sich der deutlich höhere Kaufpreis erst in 14 Jahren amortisiert haben wird. Eine gehörige Portion Idealismus sollten Elektroauto-Käufer also schon mitbringen – oder eben Geduld.

Wahrscheinlich könnten die viel diskutierten staatlichen Subventionen eine funktionierende Starthilfe für die E-Mobilität in Deutschland sein. „Norwegen und die Niederlande setzen ganz gezielt auf Anreize bei der Absatzförderung“, erläutert Christian Malorny, Direktor im Berliner Büro von McKinsey und Experte für Elektromobilität. „Dies reicht von einer direkten Subventionierung des Kaufpreises bin hin zu weiteren Vorteilen wie der Nutzung von Busspuren und kostenlosem Parken in den Innenstädten.“

Immerhin konnte sich die aktuelle Elektroauto-Generation vom Ballast größtenteils wenig attraktiver Designs verabschieden. E-Autos wie der VW E-Golf oder die elektrische Mercedes B-Klasse, die Ende des Jahres auf den deutschen Markt kommen soll, sehen erfreulich zivil aus. Und sportlich können Elektroautos auch sein, das machen vor allem Tesla oder BMW mit dem i8 vor. Vielleicht sind es diese emotionalen E-Sportwagen, die zeigen, dass Elektromobilität auch Spaß machen kann…