Lange hat sich das Landesverkehrsministerium NRW gegen den Einsatz von Gigalinern gewehrt. Doch seit dem 24. Juli 2015 dürfen die Riesen-LKW auch im bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik getestet werden. Wenn auch nur mit einer 7,50 Meter kürzeren Version. Das bedeutet, es sind nun LKW auf unseren Autobahnen unterwegs, die einen 1,30 Meter längeren Sattelauflieger haben als bisher gängige Modelle. Kritiker argumentieren, dass durch das höhere Gewicht der Gigaliner Fahrbahnen und Brücken geschädigt werden können.

Durch den Einsatz von Gigalinern soll der Kraftstoffverbrauch von Speditionsunternehmen um bis zu 20 Prozent gesenkt werden, da zwei der Riesen-LKW das Transportvolumen von drei regulären Lastern aufnehmen können. Jedoch sind in NRW weiterhin keine LKW erlaubt, die länger als 18,75 Meter sind und neben der Zugmaschine und einem längeren Sattelauflieger aus ein bis zwei zusätzlichen Anhängern bestehen.

Gerade gegen diese bis zu 25 Meter langen LKW gibt es in der Bevölkerung regen Widerstand. Es wird befürchtet, dass ihr Einsatz eine veränderte Verkehrsinfrastruktur erforderlich macht. Denn Kreisverkehre oder enge Kreuzungen sind mit ihnen schwerer zu bewältigen. Allerdings sollen Gigaliner nur auf bestimmten Routen eingesetzt werden und den Straßenverkehr somit nicht behindern. Doch auch dahingehend melden die Kritiker Zweifel an.

Riesen-LKW, neben Gigalinern auch EuroCombi genannt, können bis zu 20 Tonnen schwerer sein als ein normaler Sattelzug. Demnach lasten 60 anstelle von 40 Tonnen auf der Straße. Nur wird dieses Gewicht auf mehr Achsen verlagert, so dass die tatsächliche Achslast von 8 auf 6 Tonnen sinkt. Die höhere Anzahl an Achsen sorgt zudem für eine gesteigerte Bremskraft. Eine zusätzliche Gefahr für den Straßenverkehr sind die Riesen-LKW damit nicht.

Aber da sind ja noch die Kosten. Um einen solchen LKW über enge Kreuzungen zu bewegen, ist mehr Platz notwendig. Da dieser bisher nicht vorhanden ist, müssten die für Gigaliner vorgesehen Routen ausgebaut werden. Zudem müssten Autobahnparkplätze erweitert werden, da auch mehr Platz pro LKW-Stellplatz einkalkuliert werden muss. Für viele Kritiker ist eine steigende Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene daher die bessere Alternative.

Damit die Gigaliner auch hierzulande fahren dürfen, muss der von bislang von 12 Bundesländern genehmigte Feldversuch Erfolg haben. Weiterhin müssen alle Bundesländer dem daran anknüpfenden Gesetz zustimmen. In NRW wird bis 2016 allerdings erst einmal mit einer verkürzten Version getestet. Sollte dieser Versuch und das von der Wirtschaft erhoffte Gesetzgebungsverfahren Erfolg haben, bleibt abzuwarten, wie schnell sich die „Monster-LKW“ tatsächlich auf unseren Straßen verbreiten werden.