Der VW XL1 ist ein Fahrzeug mit Seltenheitswert. Nicht nur, weil das Verbrauchswunder von Volkswagen nur ein Liter Diesel auf 100 Kilometer schlucken soll. Ebenso selten wie das Fahrzeug selbst – gerade einmal rund 200 Exemplare sind produziert worden – ist sein Design: Die Entwickler haben komplett auf Seitenspiegel verzichtet. Diese Aufgabe übernehmen zwei Kameras, die das rückwärtige Geschehen auf zwei kleine Monitore projizieren.

Das Konzept könnte Schule machen. Audi will in seinem kommenden Serienmodell E-Tron ebenfalls auf Kameralösungen setzen. Die Vorteile des „digitalen Außenspiegels“ liegen auf der Hand: „Einerseits bietet er ein beachtliches Energie- und Emissionseinsparungspotential durch verbesserte Aerodynamik, andererseits sorgt er für erhöhte Verkehrssicherheit bei schwierigen Lichtbedingungen“, schreibt das Unternehmen Kappa, das die Kamera für den XL1 entwickelte.

Kamera im Auto

Die Kamera am Auto könnte künftig Außen- und Rückspiegel ersetzen.

Weniger Treibstoff zu verbrauchen, dürfte für jeden Autofahrer ein positives Argument sein. Die Welt schreibt von „etwa 0,1 bis 0,3 Liter Treibstoff pro 100 Kilometer“, die ein Auto sparen könnte. Zudem könnten die Kameras störende Reflektionen durch die Lichter des Hintermanns ausgleichen – gerade in der dunklen Jahreszeit würde das so manche Autofahrt angenehmer und sicherer gestalten. Mit Blick auf die immer stärkeren Vorgaben seitens der Behörden, dürften aber auch die Einsparmöglichkeiten bei den Emissionen den verstärkten Einsatz von Kameras als Spiegelersatz befeuern.

Technik contra Gewohnheit

Doch so überzeugend die Argumente für den digitalen Autospiegel sind, wäre die größte Hürde wohl der Autofahrer selbst – und seine Gewohnheit. Bei jahrelanger Fahrpraxis ist der Blick in den Rück- und den Außenspiegel vielen in Fleisch und Blut übergegangen. Zudem könnte die Spiegel-Revolution noch vor der Marktreife gleich von der nächsten Entwicklung überholt werden: dem autonomen Fahren. Da muss der Mensch noch nicht mal mehr die Monitore im Blick haben.

So oder so: Dass immer mehr Kameras im Auto Einzug halten werden, scheint unausweichlich zu sein. Ob CO2-Reduktion oder Spriteinsparung, der große Vorteil wäre vielleicht ein anderer: Der abgebrochene Außenspiegel, einer der ärgerlichsten Verkehrsschäden, würde endlich der Vergangenheit angehören.