Haben Sie schon einen gesichtet? Seit dem 1. Januar 2017 dürfen sogenannte Gigaliner, also überlange LKW, ganz regulär auf deutschen Straßen rollen. Nach einem mehrjährigen Test hatte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Ende 2016 die „Transport-Riesen“ für den Regelbetrieb freigegeben.

An dem Probelauf hatten sich rund 60 Unternehmen mit 159 Lang-LKW beteiligt. Jetzt dürften es deutlich mehr werden: Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hatte 2014 in ihrem Zwischenbericht zum Feldversuch ein Potenzial von bis zu 10.000 Gigalinern prognostiziert. Die Zahl könnte sogar noch höher ausfallen – eine Obergrenze ist laut Verkehrsministerium (BMVI) nicht vorgesehen.

Zurzeit ist ein Straßennetz mit einer Länge von fast 11.600 Kilometern für die neuen Riesen freigegeben (eine Übersicht gibt die Karte des BMVI). Rund 70 Prozent davon sind Autobahn. Nur das Saarland und Berlin sind noch Gigaliner-freie Zone.

Dobrindt erhofft sich von den neuen Verkehrsteilnehmern deutliche Effizienzgewinne: „Zwei Lang-Lkw ersetzen drei herkömmliche Lkw. Weniger Fahrzeuge bedeuten auch weniger Emissionen. Das ist gut für die Umwelt und gut für den Logistikstandort Deutschland.“ Seine Behörde rechnet damit, dass die Mega-Trucks zwischen 15 und 25 Prozent an Kraftstoff sparen im Vergleich zu ihren kürzeren „Kollegen“. Auch die Befürchtung vieler Kritiker, dass sich nun mehr Güterverkehr von der Schiene auf die Straße verlagere, teilt die Behörde nicht.

Wer letztlich Recht behält, werden wohl erst die kommenden Monate und Jahre zeigen. Gerade Autofahrer müssen sich aber bereits jetzt an den Anblick der Lang-LKW gewöhnen – und für den Überholvorgang deutlich mehr Zeit kalkulieren als bislang. Denn die Gigaliner sind bis zu 25,25 Meter lang. Zum Vergleich: Herkömmliche Lkw mit Auflieger haben eine Länge von maximal 18,75 Metern. Deshalb ist es den Megatrucks auch untersagt, Fahrzeuge auf Autobahnen zu überholen. Man darf gespannt sein, ob sich die Brummifahrer daran halten.